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Navarra

 

Geographie

Navarra liegt im Norden Spaniens und erstreckt sich über eine Gesamtfläche von ca 10.392 km². Im Norden grenzt es an Frankreich, das durch die Pyrenäen von Spanien getrennt wird. Im Süden an La Rioja und Aragonien, genau wie auch im Osten. Westlich liegt die Autonome Gemeinschaft des Baskenlandes. Navarra ist mit eine der kleinsten autonomen Gemeinschaften Spaniens. Vergessen sollte man nicht die Enklave Petilla de Aragón, die trotz der Lage in Aragonien noch zu Navarra zählt.

Navarra zählt auch zu den bekannteren Weinanbaugebieten Nordspaniens. Hier werden auf über 16.000 Hektar Weinanbaugebiet Rebsorten wie Viura Chardonnay, Graciano, Garnacha Blanca, Moscatel und Malvasia angebaut. Die rote Rebsorte Tempranilla ist die am häufigsten zu findende Sorte in diesem Gebiet. Navarra hat seit 1975 den Status einer Denominación de Origen, einer Herkunftsbezeichnung spanischer Produkte wie Käse, Fleisch, Gemüse und eben auch Wein.

 

Klima

Durch die Nähe zum Kantabrischen Meer sind die Winter im Nordosten Navarras relativ mild. Im Norden, nahe den Pyrenäen, liegt allerdings häufig Schnee. Auch im Sommer steigen die Temperaturen nur an wenigen Tagen über 25 Grad Celsius. Anders verhält es sich mit dem Süden Navarras. Hier sind die Temperaturen im Sommer deutlich höher und steigen locker mal auf 35 bis 40 Grad Celsius. Auch die Winter sind im Süden deutlich kühler und trockener als im Norden.

 

Bevölkerung

Navarra hat eine Einwohnerzahl von ca 640.130 (Stand: 2011), die sich auf 272 Gemeinden verteilen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei ca 62 Einwohnern pro Quadratkilometer. Der allgemeine Lebensstandard in Navarra ist vergleichsweise hoch und laut einer Studie aus dem Jahre 2010 der höchste Spaniens. Navarra ist historisch und kulturell gesehen eng verbunden mit dem im Westen liegenden Baskenland. Viele Einwohner im Nordosten der Region sehen sich selbst als Basken und pflegen auch die baskische Sprache. Der im Baskenland öfters vertretene baskische Seperatismus findet hier allerdings nur wenige Anhänger. Die meisten Einwohner Navarras gelten als konservativ und spanisch nationalbewusst.

Wie sehr Navarra mit dem Baskenland verbunden ist, zeigt sich auch in der Wahl der Farben. So ist Rot auch hier die beliebteste Farbe. Die regionale Polizei Policía Foral trägt rote Uniformen und fährt rote Fahrzeuge, so das man als Fremder schnell denken könnte, das man es mit der Feuerwehr zu tun hat. Die rote Farbe ist auch Teil vieler Trachten. Und selbst zu den berühmten Fiestas von San Fermín trägt man traditionsbewusst rote Schärpen und die rote Baskenmütze Boina.

 

Geschichte

Die im 2. Jahrhundert v. Chr. einmarschierten Römer und deren Herrschaft konzentrierte sich hauptsächlich auf den mittleren und südlichen Teil Navarras. Der baskische Teil der Bevölkerung, der im nördlichen gebirgigen Teil lebte, wusste schon damals sich seine Eigenständigkeit zu sichern. Im Jahre 75 v. Chr. gründete Pompeius die Stadt Pamplona, die damals noch den Namen Pompaelo trug.

Nachdem die Mauren das Westgotenreich in Spanien um 711 besetzten, regte sich auch in der Region Navarra der Widerstand. Da dieser allerdings zunächst wenig erfolgreich war, schloss man teilweise einen Pakt mit den Arabern. Später jedoch stellten sich die militärischen Erfolge der Christen mehr und mehr ein. Ende des 9. Jahrhunderts entwickelte sich dann das christliche Königreich Pamplona, das unter Sancho dem Großen (Sancho der Dritte) in den Jahren 1000 bis 1035 seine Blütezeit erlebte.

Der Reichtum Navarras lockte damals die militärisch stärkeren Nachbarn an und so verwundert es nicht, daß Navarra immer wieder unter fremder Herrschaft stand. So teilten sich um 1076 Kastilien und Aragón das Reich. Um 1134 folgte ein knappes Jahrhundert Unabhängigkeit, das 1234 durch die Union mit der Champagne endete. Dadurch stärkte sich der französische Einfluss und Navarra wurde sogar zur französischen Provinz.

Erst um 1441 herum gewann Navarra seine Selbständigkeit zurück. Diese wurde jedoch im Jahre 1512 durch den Einmarsch Ferdinands dem Zweiten gestört. Im Jahre 1515 wurde dann Navarra dem vereinigten Königreich Kastilien-Aragón durch einen Vertrag hinzugefügt. Von da an war Navarra stets ein Teil Spaniens. Allerdings wie auch schon im Baskenland, das westlich von Navarra liegt, gestand man der Region Sonderrechte zu. Diese wirkten sich auf die Steuergesetze, den Militärdienst und den Verwaltungsapparat aus und garantierten eine gewisse Eigenständigkeit.

Zwischen den Jahren 1512 und 1515 entstand durch Spannungen und Machtansprüche ein Bürgerkrieg, in dessen Verlauf Fadrique Álvarez de Toledo für Ferdinand den Zweiten den südlich der Pyrenäen gelegenen Teil des Königreiches Navarra eroberte. Dieser Teil wurde noch bis ins Jahr 1702 von spanischen Vizekönigen verwaltet. Genau wie die westlich gelegenen baskischen Provinzen behielt Navarra bis Mitte des 19. Jahrhunderts seine Eigenständigkeit im Inneren jedoch bei.

Von baskisch-nationaler Seite wird Navarra auch heute noch als historisches Territorium des Baskenlandes angesehen. Jedoch schwindet der Einfluss der baskischen Sprache in den nördlichen Teilen Navarras in den letzten Jahren zunehmend. Am 16. August im Jahre 1982 erhielt Navarra offiziell den Status einer Autonomie.

 

Wirtschaft

Navarra ist neben Madrid und dem Baskenland eine der wohlhabendsten Regionen in Spanien. Neben dem Tourismus und dem Dienstleistungsgewerbe findet man hier auch Vertreter der Automobilindustrie, wie das Volkswagenwerk in Pamplona, in dem das Modell des VW Polo gefertigt wird. Auch die Firmen Bosch und Siemens sind in der Region vertreten und produzieren dort hauptsächlich Haushaltsgeräte. 1978 wurde hier auch der Hotelkonzern NH Hotels gegründet, der inzwischen einer der größten Hotelbetreiber Europas ist.

Die Landwirtschaft Navarras verspricht hohe Qualität der Obst- und Gemüseerzeugnisse, für die die Region zu Recht über die Grenzen Spaniens hinaus bekannt ist. Hier werden verschiedenste Obst- und Gemüsesorten angebaut und nicht nur frisch auf Märkten angeboten, sondern auch an die wichtige Konservenindustrie geliefert. Navarra legt grossen Wert auf die von der EU geschützten Bezeichnungen "Espárrago de Navarra" , "Alcachofa Blanca de Tudela" und "Pimiento del piquillo de Lodosa". 

Einen nicht unerheblichen Teil der Wirtschaft bildet der Anbau und Vertrieb von Weinen der Region. So werden hier Rebsorten wie Garnacha Blanca, Viura, Chardonnay, Malvase, Tempranillo, Merlot, Pinot Noir und Syrah angebaut. Navarras Weine sind für das hohe Maß an Qualität und dennoch günstigen Preis in ganz Europa bekannt. Die gegenwärtig am häufigsten angebaute Rebsorte ist der Tempranillo, der als Basis für diverse Roseweine dient. Seit 1975 hat Navarra den Status einer Denominación de Origen.

 

Gastronomie

Die landschaftliche Vielfalt der Region spiegelt sich auch in ihrer Küche wieder. Die mit bekannteste Spezialität ist wohl die "Chorizo Wurst" aus Pamplona. Sie wird in der gesamten Region Navarra sowohl industriell als auch traditionell hergestellt. Die Chorizo Wurst hat durch das in ihr befindliche Paprikapulver eine rot bis orange Farbe, ist gefüllt mit Rindfleisch, Schweinefleich, Speck, Knoblauch, Paprika und Zucker, sowie Salz. Die Wurst wird meist roh gegessen und ist relativ fettig.

Weitere Spezialitäten der Küche Navarras sind Kabeljau im Schmortopf der hier "Ajoarriero" genannt wird. Auch beliebt und weit verbreitet sind Artischocken mit Schinken, "Alcachofas con Jamón" genannt. Oder die frisch servierten Kardone mit Venusmuscheln, als "Cardo con Almejas" bekannt. Auch süße Leckereien wie die "Sumbilla", fritierte und mit Zitronencreme gefüllte Teigröllchen, kommen in Navarra auf den Tisch. Dazu wird in den meisten Fällen ein Weiß- oder Rotwein aus der Region serviert.

 

   
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