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Madrid

 

Geographie

Die autonome Region Madrid liegt im Herzen Spaniens auf der Hochebene Neukastiliens, unmittelbar südlich des Kastilischen Scheidegebirges. Sie besteht aus der gleichnamigen Provinz und umfaßt den Ballungsraum rund um die spanische Hauptstadt Madrid. Madrid selbst ist neben Berlin und London eine der größten Metropolen Europas und die größte Stadt Südeuropas. Madrid ist schon seit Jahrhunderten der politische und geographische Mittelpunkt Spaniens und der Sitz der spanischen Regierung. Die autonome Region Madrid umfaßt eine Gesamtfläche von etwa 8.022 Quadratkilomtern. 

Mit über 660 Meter über dem Meeresspiegel ist die Stadt Madrid auch die höchstgelegene Hauptstadt der Europäischen Union. Die Stadt selbst, durch deren Herz der kleine Fluß Manzanares fließt, liegt mitten in der Meseta, der Hochebene von Kastilien. Im Nordwesten erheben sich die Berge der Sierra de Guadarrama, deren höchste Erhebung mit über 2.429 Metern der Peñalara ist. Blickt man nach Osten, so öffnet sich vor einem das Tal des Henares, durch das Autobahnen und Eisenbahnlinien nach Barcelona und Saragossa führen.


Klima

In der autonomen Region Madrid herrscht typisches kontinentales Klima. Die Sommer werden oft sehr heiß und trocken, was gerade in der Stadt Madrid in den Sommermonaten die Bewohner ordentlich ins Schwitzen bringt. Die Durchschnittstemperatur liegt im Sommer bei etwa 24 Grad Celsius und es regnet relativ wenig. Die Winter sind im Vergleich mit den Regionen am Mittelmeer deutlich kälter. Auch fällt hier deutlich öfter Schnee als in anderen Regionen Spaniens. So liegt die Durchschnittstemperatur in den Wintermonaten bei 6 Grad Celsius. 

 

Bevölkerung

Die autonome Region Madrid hat eine Gesamtbevölkerungszahl von etwa 6.008.000 (Stand: 2006) Einwohner, wovon ca 3.198.650 (Stand: 2011) Einwohner in der gleichnamingen Hauptstadt leben. Da Madrid seit vielen Jahrhunderten kultureller, geographischer und auch politischer Mittelpunkt Spaniens ist, residiert neben dem spanischem König auch ein katholischer Erzbischof. Auch wichtige Verwaltungs- und Militärbehörden haben hier ihren Sitz. Madrid hat auch als Handels- und Finanzzentrum nationale und internationale Bedeutung.

In Madrid befinden sich sechs öffentliche Universitäten und verschiedene Hochschulen, die sowohl nationale als auch internationale Studenten anziehen. Mit zahlreichen Theatern, Museen und anderen Kultureinrichtungen bietet Madrid für jeden Abwechslung und Unterhaltung. Wie andere europäische Metropolen ist Madrid auch für sein Nachtleben recht berühmt. Neben zahlreichen Bars, Discotheken und Clubs, finden sich auch viele ruhige und romantische Ecken in der Stadt. Die Bewohner der Stadt gelten als offen und freundlich, schaffen es aber trotz der für Spanien typischen Gelassenheit, am Puls der Zeit zu leben.

 

Geschichte

Die Geschichte Madrids nimmt ihren Anfang im 9. Jahrhundert, also viel später als die römischen und westgotischen Städte wie Sevilla oder Toledo. Als die Mauren die Iberische Halbinsel Richtung Norden einnahmen, zog die geographische Lage der Region maurische Siedler an, die sich aus strategischen Gründen auf dem Standort des heutigen Königspalastes niederließen. Bedingt durch die recht hohe Lage, konnten sie von hier aus das Gebirge der Sierra de Guadarrama überblicken. Da in diesem Gebiet reichlich Wasser vorhanden war, gab man ihm den Namen Mayrit bzw Magerit, was so viel wie Ort der vielen Frühlinge bedeutet. 

Im 11. Jahrhundert war Mayritin noch unter der Herrschaft der Muslime, die die damals noch ländliche Stadt ausbauten. Auch später, unter der christlicher Herrschaft, blieb die Stadt noch lange recht ländlich. Neben der Kathedrale ist ein kleiner Teil der alten Stadtmauer aus dieser Zeit bis heute noch vorhanden. Im Jahre 1309 wurde unter Fernando des Vierten die Cortes, eine Ständeversammlung des Königreichs Kastilien, erstmal nach Madrid einberufen.

Der Aufstieg der Stadt begann etwa um 1561, als Philipp der Zweite den königlichen Hof von Valladolid nach Madrid verlegte, womit Madrid quasi zur Hauptstadt Spaniens wurde. Dies blieb, mit Ausnahme von 1601 bis 1606, bis heute so. Der von den spanischen Habsburgern errichtete Teil von Madrid wird heute noch El Madrid de los Austrias (Das Madrid der Österreicher) genannt.  Zu dieser Zeit wurden auch wichtige Bauwerke und Plätze geschaffen, wie zum Beispiel das Kloster Descalzas Reales oder die Plaza de la Villa. 

Der Spanische Erbfolgekrieg, der um 1701 ausbrach, führte im Jahre 1706 zu einer englisch- portugiesischen Besetzung der Stadt. Mit dem Ende um 1714 begann die Herrschaft der Bourbonen, die den spanischen Thron übernahmen. Unter ihrer Herrschaft entstand der heutige Königspalast. In der Regierungszeit Karls des Dritten wurde viel in der Stadt modernisiert und neu geschaffen. So verbesserte man die Straßen, Parks, Plätze und auch die Wasserversorgung und es wurden zahlreiche neue öffentliche Gebäude errichtet. Noch heute wird Karl der Dritte deswegen oft als der beste Bürgermeister von Madrid bezeichnet.

In den Jahren 1808 bis 1813 besetzten die Franzosen die Stadt und Napoleons Bruder Joseph Bonaparte wurde König. Um mehr Platz zu schaffen ließen die französischen Besatzer Kloster und ganze Stadtviertel niederreißen. Die Bevölkerung der Stadt allerdings ließ sich das nicht lange gefallen. So kam es am 2. Mai 1808 zu einem großrem Aufstand, der sogar im ganzen Land weitere Aufstände zur Folge hatte. Noch heute gilt daher der 2. Mai als arbeitsfreier Stadtfeiertag.

In der Zeit der Karlistenkriege von 1833 bis 1876 wütete eine Choleraepidemie in Madrid. Im Jahr 1873 rief der Politiker und Schriftsteller Emilio Castelar die erste Republik aus. Diese wurde 1923 von der Militärdiktatur unter General Miguel Primo de Rivera beendet. Jedoch am 14. April 1931 wurde die Zweite Republik ausgerufen. Im Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 war Madrid bis zuletzt republikanisch. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt unter Bombardements der Deutschen und Italiener schwere Zerstörungen. Auch Madrid blieb von der Franco Diktatur nicht verschont. Jedoch fanden in den Jahren 1965 bis 1973 zahlreiche Streiks und Studentenproteste statt. Mit Francos Tod und dem damit verbundenen Ende der Diktatur im Jahr 1975, fand in Madrid eine Kulturbewegung, die Movida madrileña, statt. Juan Carlos der Erste wurde König und leitete die Demokratisierung ein. Diese wurde allerdings am 23. Februar 1981 nochmals gefärdet, als unter der Führung einiger Offiziere der Guardia Civil ein Putschversuch stattfand. 

 

Wirtschaft

Die Region Madrid erwirtschaftet mehr als 17 Prozent des spanischen Bruttosozialproduktes und ist damit eine der führenden Wirtschafts- und Industriestandorte Spaniens. Dabei liegt der Schwerpunkt im Dienstleistungssektor, der immerhin über 78 Prozent des regionalen BIP generiert. Bedingt durch die Lage in der Mitte der Iberischen Halbinsel haben sich hier Industrien aus den Bereichen Flugzug-, Fahrzeug-, Textil-, Chemie-, und Nahrungsmittelindustrie niedergelassen. Auch ein Großteil der in Spanien niedergelassenen Banken und Versicherungen haben ihren Sitz in Madrid. Außerdem befindet sich die wichtigste und einzig international bedeutende Börse Spaniens in Madrid. Auch viele ausländische Firmen, wie Siemens, Bosch, Microsoft, Hewlett Packard, IBM oder Porsche, haben hier ihren Sitz und Produktionsstandorte.

Neben den wichtigsten Personenbahnhöfen Atocha und Chamartin, bildet Madrid auch den größten Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt Spaniens. So gehört das U-Bahnnetz von Madrid zu den größten der Welt. Madrids internationaler Flughafen Barajas, der im Nordosten der Stadt liegt, ist mittlerweile eine wichtige Drehscheibe für Flüge nach Europa und Lateinamerika. Dieser ist auch dank der Metro schnell und bequem aus allen Teilen der Stadt zu erreichen. In den weniger dicht besiedelten Stadtteilen verkehrt die Stadtbahn und in den Vororten kann man mit dem Cercanias-Vorortbahnsystem jeden Winkel erreichen.

 

Gastronomie

Seit Madrid offiziell die Hauptstadt Spaniens ist, stieg die Einwohnerzahl deutlich an, was sich auch in den Einflüssen der Küche wiederspiegelt. So ist es heute unmöglich zu definieren, was eigentlich typisch und was importiert ist. Die Hauptstadt bietet daher eine eher spanische als eine regionale Küche an. So flossen zahlreiche Rezepte aus allen Regionen Spaniens in die heutige Küche Madrids ein. Wie in vielen Teilen Spaniens, finden sich hier die typischen spanischen Eintöpfe wieder. Diese werden oft mit Fleisch oder Fisch und verschiedenen Gemüsesorten zubereitet. 

An Fleischgerichten findet man oft Rezepte mit Kalb oder Lamm. Ein Geheimtip stellen überraschender Weise Fischgerichte dar, was angesichts der Lage Madrids doch eher verwunderlich ist. So werden hier in großen Mengen Fisch und Meeresfrüchte in ausgezeichneter Qualität angeboten und verspeist. Erwähnen sollte man an dieser Stelle auch, daß Spaniens Hauptstadt Madrid über den zweitgrößten Fischmarkt der Welt verfügt. Nur der Fischmarkt von Tokio ist noch größer.

Zu den Speisen werden oftmals die Vinos de Madrid gereicht. Diese jungen, fruchtigen und aromatischen Weine aus der Region sind nicht nur bei den Einheimischen sehr beliebt. Was am Ende einer jeder Mahlzeit in Madrid nicht fehlen darf, ist ein Glas "Anisado de Chinchón", ein Ansisschnaps, der für viele zum Essen dazu gehört wie Messer und Gabel. Als leckere Süßspeise ist die "Roscos de Santo" sehr bekannt, ein traditionelles Gebäck, das auch für das Fest von San Isidro gebacken wird.

   
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