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Kastilien-León

 

Geographie

Die Region Kastilien-León erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 94.225 Quadratkilometer und ist somit größer als das nahe Portugal. Im Norden grenzt es an Asturien und Kantabrien. Nordöstlich liegt die Region des Baskenlandes sowie La Rioja und im Osten Aragonien. Im Südosten und Süden liegen die Regionen Kastilien-La Mancha, Madrid und Extremadura. Im Südwesten und Westen liegt Portugal, sowie Galicien im Nordwesten.

Kastilien-León umfasst die spanische Nordhochebene, die in einer Höhe von ca 600 bis 800 Meter liegt und von Randgebirgen begrenzt wird. Hier findet sich auch ein Großteil des Duero, einer der größten spanischen Flüsse, der mit einer Gesamtlänge von etwa 900 km durch Nordspanien und Portugal fließt. Im westlichen Teil der Region liegt der historische Landesteil León, der auch als Altkastilien bekannt ist. Kastilien-León umfaßt insgesamt 9 Provinzen.

 

Klima

In Kastilien-León findet man aufgrund der Höhenlage kontinentales Klima. In den Sommermonaten ist es eher trocken und angenehm warm. Die Durchschnittstemperaturen liegen so beispielsweise in den Monaten Juli und August um die 20 Grad Celsius. Die Winter hingegen sind lang und kühl und es gibt gerade in den Bergregionen viel Schnee. Ab einer Höhe von über 2.000 Meter findet sich das ganze Jahr über Schnee. Die Durchschnittstemperaturen für die gesamte Region liegen im Jahr bei etwa 12 Grad Celsius und die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt bei ca 440 mm pro Jahr. 

 

Bevölkerung

Kastilien-León hat eine Gesamtbevölkerung von ca 2.540.200 (Stand: 2011) und die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 27 Einwohner pro Quadratkilometer. Den Bewohnern dieser Region sagt man nach, daß sie ein Überlegenheitsgefühl im Vergleich zum Rest von Spanien haben würden. Es heißt oft, Kastilier seien die "älteren Spanier". Trotz des historischen Glanzes und dem damit verbundenen Stolz, gab es seit dem Jahre 1960 eine stetige Abwanderung aus der Region. Ungefähr jeder zehnte der damals fast 3 Millionen Einwohner wanderte in industriell stärkere Regionen oder ins Ausland ab.

 

Geschichte

Vor der Zeit der römischen Eroberungen in Europa wurde die heutige Region Kastilien-León von zahlreichen kleineren Volksstämmen besiedelt. Mit dem Einzug der Römer hielt auch der damalige Fortschritt in der Region Einzug. Die Römer waren die ersten, die Straßen und Brücken bauten. Nach den Römern folgten die Westgoten, die mit dem Bau ihrer Kirchen heute noch das Landschaftsbild prägen. In den Jahren 711 bis 719 eroberten die Mauren das Gebiet und verdrängten die Westgoten.

Ab dem Jahre 750, zur Zeit der Reconquista, wurde diese Region Teil des damaligen Königreiches Asturien, das ab diesem Zeitpunkt auch Asturien-León genannt wurde. Unter dem König Alfons des Dritten (866-909) wurde die Stadt León zur Hauptstadt ernannt. Etwa zu dieser Zeit fiel erstmals der Begriff Kastilien, der aus dem spanischen vom Wort Castillos abgeleitet wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt trug diese Region den Namen Bardulien, was wahrscheinlich von den dort lebenden Bardulier abgeleitet wurde. Die Castillos waren die vielen Burgen im Süden der Region, die die Grenze zu den maurisch besetzten Gebieten sicherten. Um 930 herum entstand dort aus vielen kleineren Grafschaften eine große Grafschaft mit dem Namen Kastilien, die ca im Jahre 1000 zum Großreich Navarra kam, das damals unter der Herrschaft von Sancho dem Dritten stand.

Nach dem Tode Sanchos wurde dessen Reich in drei Teile gespalten. Sein Sohn Ferdinand der Erste rief im Jahre 1035 das Königreich Kastilien aus und eroberte zwei Jahre später das Gebiet um Asturien-León. Das so geschaffene neue Großreich, zu dem auch das heutige Kantabrien und die westliche Rioja gehörten, dehnte sich weiter nach Süden aus. König Alfons der Sechste eroberte im Jahre 1085 Toledo und ernannte es sogleich zur neuen Hauptstadt. Einige Jahre später wurde das Reich, bedingt durch eine Erbfolge, wieder in Kastilien und León gespalten, was allerdings im Jahre 1230 endgültig wiedervereint wurde. Seitdem trägt diese Region auch wieder den Namen Kastilien-León.

Am 25. März 1983 wurde für die Region Kastilien-León der Autonomie Status verabschiedet, der die Doppelregion zur territorialen Einheit erklärte.

 

Wirtschaft

Obwohl die Doppelregion Kastilien-León eine ruhmreiche Vergangenheit hat und einst als Machtzentrum Spaniens galt, verpasste die Region die industrielle Revolution. Im 18. und 19. Jahrhundert galt die Region sogar nur als Getreidelieferant Madrids. Die Schafzucht und damit verbundenen Tuchfabriken, die noch im Mittelalter für viel Reichtum sorgten, entdeckten erst sehr spät den mechanischen Webstuhl und konnten somit kaum Schritt halten mit anderen spanischen Regionen.

Heute findet sich neben der Textilindustrie noch die Lebensmittel-, Metall- und Chemieindustrie in den Städten wieder, doch nur die Hauptstadt Valladolid konnte sich als Industriezentrum durchsetzen. Diese Entwicklung hatte zur Folge, daß seit den 1960er Jahren ein Teil der arbeitssuchenden Bevölkerung die Region verließ, um in anderen spanischen Regionen oder gar im Ausland Arbeit zu finden.

Eine wichtige Einnahmequelle für die Doppelregion ist weiterhin die Landwirtschaft. So fließen jährlich reichlich Fördergelder der Europäischen Union in die Technologien der Region. Neben der industriellen Landwirtschaft gibt es auch noch viele kleinere landwirtschaftliche Betriebe, in denen vor allem das für Spanien typische Obst und Gemüse angebaut wird. Auch kleine Milchbetriebe, sowie Viehzucht lassen sich an einigen Orten noch finden.

 

Gastronomie

Die Küche der Region ist besonders für den Ferkelbraten "Cochinillo" bekannt. Dieser findet auch ausserhalb von Festen und Feiern regelmäßig den Weg auf den Tisch. Aber auch Lamm, Schinken oder die "Chorizo", eine aus Schweinefleisch, Knoblauch und Paprika bestehende Rohwurst, werden oft und gerne aufgetischt. Dazu gibt es, wie in Spanien üblich, ein gutes Glas Wein.  Auch deftige Eintöpfe mit Kichererbsen oder anderen Hülsenfrüchten sind gern auf den Tischen gesehen.

In den weiter westlich gelegenen Teilen der Region findet sich oftmals auch der Einfluß des nahen Galiciens wieder. So werden hier oft auch Fisch und Meeresfrüchte verarbeitet. Besonders beliebt sind dabei Krake (Pulpo) und Forelle. Natürlich gibt es auch eine Fülle an leckeren Süßspeisen. Die wohl bekanntesten der Region sind zum Beispiel die "Lazos de San Guillermo" (Blätterteigschlingen) oder Gebäck wie die "Toscas de la Virgen". Viele dieser kleinen Naschereien verdanken ihren Namen der Klöster, die sich entlang des Jakobsweges befinden. Oftmals stammen die Rezepturen auch aus diesen.

   
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