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Kanarische Inseln

 

Geographie

Die Kanarischen Inseln liegen in Makaronesien, einer geographischen Region im Atlantik. Dazu zählen auch die Azoren, Kapverden, Ilhas Selvagens und der Madeira Archipel. Mit über 1.000 Kilometern Entfernung zum spanischen Festland, liegen die Kanarischen Inseln deutlich entfernt zum Mutterland. Hier gilt, im Gegensatz zum spanischen Festland, die westeuropäische Zeit. Die Kanarischen Inseln bestehen aus den 7 Hauptinseln Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzerote, La Palma, La Gomera und El Hierro, sowie den 6 Nebeninseln Lobos, La Graciosa, Alegranza, Montaña Clara, Roque del Este und Roque del Oeste. Es gibt noch einige kleinere, unbewohnte Felsinseln wie Anaga, Salmor oder Garachico.

Der höchste Berg, der Pico del Teide,  liegt auf der Insel Teneriffa und ist mit einer Höhe von 3.718 Meter gleichzeitig der höchste Berg Spaniens. Die Gesamtfläche der Kanarischen Inseln beträgt etwa 7.492 Quadratkilometer. Die Inseln sind allesamt vulkanischen Ursprungs und bieten durch ihre Abgeschiedenheit und fehlenden Verbindung zum Festland, eine große Artenvielfalt. So gibt es auf den Kanaren schätzungsweise über 2.000 verschiedene Pflanzenarten.

 

Klima

Das Klima der Kanarischen Inseln ist sehr vielseitig. So sorgt der Nordostpassatwind und Meeresströmungen für einen ausgleichenden Einfluß. Es besteht allerdings auch eine Klimarhythmik mit winterlichen Regenfällen und sommerlichen Trockenperioden, die sowohl an den Nord- und Südseiten der Inseln vielfältig abgewandelt sind. So liegen die jährlichen Niederschläge auf den östlichen Inseln oftmals unter 200 mm, hingegen auf den Nordseiten stauen sich die Passatwolken in einer Höhe von 600 bis 1.500 Metern und bringen Niederschlagsmengen bis zu 1.000 mm. Oberhalb von 1.500 Metern nimmt die Niederschlagsmenge aber wieder ab. So fallen in den höchsten Gebirgsregionen nicht mehr als 300 mm.

Die Temperaturen in den unteren Höhenlagen, besonders an den Nordseiten, sind sehr ausgeglichen und liegen im Jahr zwischen 15 und 20 Grad Celsius. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei ca. 18 Grad Celsius. In den höchsten Gebirgsregionen liegen die Temperaturen allerdings im Durchschnitt bei 9 Grad Celsius. Hier kann es auch zu Frost und Schneefall kommen.

 

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl der Kanarischen Inseln liegt bei etwa 2.082.660 (Stand: 2011) Einwohnern und die Bevölkerungsdichte liegt bei zirka 278 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Amtssprache ist Spanisch. Bis ins 15. Jahrhundert waren die Inseln von einzelnen Inselbevölkerungen bewohnt, von denen keine Kontakt zur anderen hatte. Obwohl sich die einzelnen Gruppen in Sprache und Kultur unterschieden, wurde für alle der Begriff Guanchen eingeführt. Durch die spanischen Erobrerer wurde die einheimische Kultur der einzelnen Inseln fast komplett vernichtet. Viele der Ureinwohner vermischten sich mit den neuen spanischen Siedlern und einige bekamen sogar ihre alten Ländereien zurück. Deswegen haben heute noch viele Einheimische guanchische Vorfahren. Heute allerdings besteht der größte Teil der Bevölkerung aus Spaniern.

 

Geschichte

Woher die Ureinwohner der Kanaren stammen ist bis heute zum Teil noch ungeklärt. Jedoch zeigten Skelettfunde und vor allem die überlieferten Ortsnamen, daß wohl die meisten Bewohner aus Nordafrika kamen und von den dort ansässigen Berbern abstammten. Es wird davon ausgegangen, daß die Bewohner der einzelnen Inseln nur seltenen oder gar keinen Kontakt zueinander hatten. Diese Erkenntnis basiert auf dem Forschungsstand, der davon ausgeht, daß die Ureinwohner der Kanaren nicht über hochseetaugliche Boote verfügten. Die großen Inseln, wie die Insel Teneriffa, waren offenbar in unterschiedliche Stammesgebiete unterteilt, in denen wohl eine Art Adelskaste regierte. Skelettfunden zufolge wird davon ausgegangen, daß die Urbevölkerung überwiegend großgewachsen war und blonde oder rötliche Haare hatte. Die gefundenen Waffen stammten aus Holz, Stein, Obsidian und Knochen. Offenbar waren aber Dinge wie Pfeil und Bogen, Schrift oder gar das Rad bei der Urbevölkerung unbekannt.

Am Anfang des 15. Jahrhunderts wurde das Archipel durch den Normannen Jean de Béthencourt und seinem Gefolgsmann Gadifer de la Salle erobert. Erst hier beginnt die belegbare Geschichte der Kanarischen Inseln. Der kastilische König Heinrich der Dritte sandte Béthencourt damals unter dem Deckmantel christlicher Missionierung aus, hatte aber zum Großteil wirtschaftliche Interessen an den Kanaren. Jedoch dauerte die Eroberung der Inseln fast ein ganzes Jahrhundert, gemessen ab dem Zeitpunkt um 1402, an dem Béthencourt mit seinen Männern das erste mal die Insel Lanzerote betrat. Erst fast hundert Jahre später (1496) wurde die Insel Teneriffa als letzte Insel von Alonso Fernández de Lugo erobert und damit gehörten die Kanaren auch politisch zu Spanien. Die Ureinwohner verloren während dieser Zeit einen Großteil ihrer damals steinzeitlichen Kultur, was zum einem an der Unterdrückung der Eroberer, aber auch am Interesse der mitgebrachten Neuerungen lag.

Das 16. und 17. Jahrhundert war die Zeit der Großgrundbesitzer und Sklavenhändler. In den umliegenden Gewässern trieben damals Piraten ihr Unwesen. Viele Ureinwohner wurden als Sklaven auf das Festland gebracht. Die bleibende Urbevölkerung wurde teilweise ausgebeutet und unterdrückt, was zur Folge hatte, daß sie die Sprache und die Kultur der neuen Herrschaft übernahmen. So wurden sie im Jahre 1514 mit den Spaniern rechtlich gleichgestellt. Die Bevölkerung wurde somit ein Teil des etablierten Feudalsystems. Für Atlantiküberquerer, wie Kolumbus, waren die Häfen von Gomera und Gran Canaria damals die letzten sicheren Anlaufstellen. Landwirtschaftlich gesehen war das 16. Jahrhundert die Zeit des Zuckerrohrs. Da die Zuckerindustrie jedoch schon bald in eine Krise geriet, ging man dazu über, statt des Zuckerrohrs Kartoffeln und Mais anzupflanzen.

1852 wurde das Archipel zu einer Freihandelszone erklärt. Die Inseln öffneten sich und es wurde ein Kompensationshandel mit England und Frankreich abgeschlossen. Zu dieser Zeit wurde vor allem der rote Cochenille Farbstoff exportiert. Am Ende des spanischen Bürgerkrieges, der von 1936 bis 1939 stattfand, fielen auch die Kanarischen Inseln unter die Franco Diktatur. Diese endete erst mit dem Tode Francos im Jahre 1975. Die demokratische Verfassung, die 1978 in Kraft trat, galt auch für die Kanarischen Inseln. Im Zuge der Regionalisierung im Jahre 1982 wurden auch die Kanaren ein Teil der autonomen Gemeinschaften Spaniens. 1983 wurde erstmals ein autonomes kanarisches Parlament gewählt. Heute noch wird der 30. Mai als "Día de Canarias" als Feiertag begangen.

 

Wirtschaft

Der größte Teil der kanarischen Wirtschaft baut auf dem Tourismus auf. Damit verbunden ist die Bauwirtschaft, die in den letzten Jahren, wie in anderen Teilen Spaniens auch, einen großen Zuwachs erfährt. Vor dem Aufkommen des Massentourismus in den 1960er Jahren, spielte die Landwirtschaft und der Fischfang eine recht große Rolle. Allerdings ist dies heute nicht mehr der Fall. Heute werden in der Landwirtschaft zum Großteil Bananen, aber auch Tomaten, Gurken, Kartoffeln und Schnittblumen angebaut. Der Großteil dieser Waren sind für den Export bestimmt.

Der wichtigste Wirtschaftszweig ist und bleibt jedoch der Tourismus. Jährlich werden die Kanaren von mehr als 9 Millionen Touristen besucht, wobei die wichtigsten Zentren des Tourismus auf Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzerote liegen. Die größte Zahl der Touristen stammt aus Großbritanien, gefolgt von Deutschland, Holland und Irland. Auch für Kreuzfahrer werden die Kanarischen Inseln mehr und mehr ein beliebtes Ziel. Seit Beginn der Wirtschaftskrise brach der Tourismus nur geringfügig ein. Anders als in anderen Teilen Spaniens lag der Rückgang bei schwindenden 0,4 Prozent.

 

Gastronomie

Wie ebenfalls in anderen Teilen Spaniens, wird auch die Kanarische Küche von vielen verschiedenen Küchen beeinflußt. Allerdings spielt die spanische Küche dabei noch die wichtigste Rolle. Aber auch Einflüsse aus dem Rest der Kultur der Ureinwohner finden sich in der heutigen kanarischen Küche noch wieder. Weniger Einfluß dagegen hat die südamerikanische und afrikanische Küche. Die Grundlage vieler Speisen bilden hauptsächlich Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte und Kartoffeln.

Wie in anderen Regionen Spaniens auch spielen die typischen "Tapas" eine wichtige Rolle. Aber auch Suppen mit Fleisch vom Huhn, Schwein, Kaninchen und Zicklein oder Fisch kommen sehr oft auf den Tisch. Zu fast jeder Mahlzeit gibt es auch "Mojos", kalte Soßen, die hauptsächlich aus Essig, Öl, Knoblauch und anderen Gewürzen bestehen. Zum Frühstück wird, wenn überhaupt, nur ein Stück süßes Gebäck oder Weißbrot mit Kaffee zu sich genommen. Überhaupt verschieben sich die Essenszeiten, wie fast überall in Spanien üblich, weit nach hinten. So wird selten vor 13 Uhr zu Mittag gegessen und auch das Abendessen, das oftmals die Hauptahlzeit ist, findet selten vor 20 Uhr statt.

Erwähnenswert ist auch der Weinanbau der Kanarischen Inseln, der ausschließlich auf vulkanischem Boden stattfindet. Die Reben liegen oftmals ungeschtützt auf dem flachen Boden oder auf eigens dafür angelegten Terrassen. Im Anbaugebiet La Geria auf der Insel Lanzerote, wird sogar die schwarze Vulkanasche, "Lapilli" genannt, mit in den Weinanbau eingebunden. Generell begünstigt das ganzjährige, milde Klima den Weinanbau und der Nordpassat sorgt für ganz eigenes Aroma der kanarischen Weine.

   
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