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Extremadura

 

Geographie

Die autonome Region Extremadura liegt im Südwesten Spaniens und hat eine Gesamtfläche von etwa 41.634 Quadratkilometer. Im Westen grenzt die Region an Portugal und im Norden liegt die Region Kastilien-Leon. Im Osten grenzt sie an die Region Kastilien-La Mancha und im Süden an die Region Andalusien. Der Name Extremadura leitet sich von "Extremos del Duero" ab, was soviel wie "Jenseits des Duero" bedeutet. Die Extremadura nimmt ungefähr 8,3 Prozent der gesamten spanischen Landmasse ein.

Kennzeichnend für diese Region sind die weltweit einmaligen savannenartigen Dehesas aus Stein- und Korkeichen. Die baumlosen Steppen beherbergen ein großes Vorkommen an Zwerg- und Großtrappen. Hier findet man auch eine recht dünn besiedelte, aber idyllisch wirkende Mittelgebirgslandschaft mit kleinen Bachtälern und Flüssen. Der äußerste Norden der Region ist weitestgehend bergig. Der höchste Berg der Region, der Torreón mit über 2.400 Metern,  läßt sich in der Sierra de Gredos finden.

Durch die Extremadura fließt im Norden der Tajo und im Süden der Guadiana. Südlich des Tajo findet man trockeneres Land mit weiten Ebenen, das vor allem für seine Steineichenhaine und den Weinanbau bekannt ist. Aber auch seltene Tiere, die vorm Aussterben bedroht sind, wie der Pardelluchs, die Großtrappe, der Schwarzstorch und auch der Wolf, lassen sich hier noch finden. Außerdem findet man in der Region südlich des Tajo noch Korkeichen, deren Rinde noch heute hauptsächlich zur Herstellung feiner Weinkorken genutzt wird.

 

Klima

Das vorherrschende Klima in der Extremadura gilt als mediterran. Allerdings findet man im bergigen Norden der Region eher kontinentales Klima. Der Boden im Norden ist wasserreich und fruchtbar. Die Region südlich des Flußes Tajo ist allerdings eher trocken, was großflächige Areale mit teilweiser unberührter Natur enstehen ließ. Ein solches Klima ist von trockenen Sommern und regenreichen, aber milden Wintern geprägt.

Die Jahresdurchschnittstemperatur der Region liegt bei 16 bis 17 Grad Celsius. Der Norden ist mir einer Durchschnittstemperatur von ca 13 Grad Celsius kühler als der Süden, der eine Durchschnittstemperatur von rund 18 Grad Celsius hat. Der jährliche Niederschlag liegt in der Region bei etwa 450 bis 500 Liter pro Quadratmeter und die Durchschnittstempertur liegt in den Sommermonaten bei 26 Grad Celsius. Allerdings sind auch Temperaturen über 45 Grad Celsius, gerade im trokenen Süden, keine Seltenheit.

 

Bevölkerung

In der autonomen Region Extremadura leben über 1.104.500 (Stand: 2011) Einwohner, was zirka 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung Spaniens ausmacht. Bedingt durch seine Größe und einer Bevölkerungsdichte von etwa 26 Einwohner pro Quadratkilometer, zählt die Extremadura zu einer der am dünnsten besiedelten Regionen Europas. So leben in der Hauptstadt Mérida auch gerademal gut 58.000 Einwohner. Die Amtssprache der autonomen Region Extremadura ist Spanisch. In der Extremadura leben rund 30.000 Ausländer, was etwa 2,7 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Diese kommen zum Großteil aus Ländern wie Kolumbien, Brasilien, Portugal, Marokko, Rumänien und Asien.

Wie dünn die Region besiedelt ist, zeigen auch die Wachstumszahlen der Region im direkten Vergleich mit anderen spanischen Regionen. So lag das Bevölkerungswachstum von 1900 bis 2000 bei 0 bsi 50 Prozent. Im Vergleich dazu hatten Regionen wie Barcelona oder Madrid ein Bevölkerungswachstum von mehr als 300 Prozent. In den Jahren 1950 bis 1981 ging die Bevölkerung sogar um 0 bis -20 Prozent zurück. Dies änderte sich aber ab 1981 wieder. Ab diesem Jahr wuchs die Bevölkerung langsam wieder um 0 bis 10 Prozent.

 

Geschichte

Vor gut 3.000 Jahren wurde die heutige Region Extremadura von den Kelten und Vettonen besiedelt, gefolgt von den Karthagern und Römern. Die Römer waren es auch, die die heutige Region unter dem damaligen Namen Hispana Ulterior zu einer der wichtigsten Handelsregionen machten. Sie gründeten die Städte Norba Caesarina, die heute den Namen Cáceres trägt, sowie die Stadt Emerita Augusta, die heute unter dem Namen Meŕida bekannt ist. Auch heute noch lassen sich in den damaligen Siedlungsgebieten der Römer viele historische Bauwerke bewundern, wie Äquadukte, Festungen und Theater. Eines der wohl bekanntesten Bauwerke aus dieser Zeit ist die Brücke von Alcántara, die sich nahe der portugiesischen Grenze befindet.

Im 9. Jahrhundert, unter der Herrschaft von Ibn Marwan, wurde die Stadt Badajoz gegründet. Von dieser Zeit bis hin zum 11. Jahrhundert, der Zeit der Herrschaft der Aftasiden, war die Extremadura das Zentrum eines maurischen Emirates. Die maurische Herrschaft fand ihr Ende erst im Zuge der Reconquista. Im Jahre 1230 nahm König Alfons der Neunte von León, die Region im Namen Spaniens in Besitz. Da in der Zeit der Reconquista die heutige Region Extremadura sehr umkämpft und arm war und man alles daran setzte, die Muslime zu vertreiben, bildeten sich teilweise fanatische christliche Söldnergemeinschaften.

Nach der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 durch Kolumbus, erfolgte eine Art Aufbruch in die neu entdeckte Welt. Viele Männer aus der heutigen Extremadura hatten damals einen entscheidenden Anteil daran. So zerschlug Francisco Pizarro aus Trujillo das Imperium der Incas in Peru und Francisco de Orellana, ebenfalls aus Trujillo stammend, erforschte den Amazonas. Hernán Cortés aus dem Dorfe Medellín eroberte das Aztekenreich in Mexico und Pedro de Valdivia aus Villanueva de la Serena, gründete die chilenische Hauptstadt Santiago de Chile. Aber auch viele namenlose Männer und Frauen zogen aus in die neue Welt und scheiterten dort. Noch heute trägt die Region Extremadura aufgrund der zahlreichen Eroberer der neuen Welt, den Namen Tierra de Conquistadores - Land der Eroberer.

Wie alle Regionen Spaniens hatte auch die Extremadura unter der Herrschaft des Diktator Franco zu leiden. Erst nach seinem Tode im Jahre 1975 begann die Demokratisierung der Region. Nach den zweiten freien Parlamentswahlen im Jahr 1979, nahm sich die damalige Regierung unter Adolfo Suárez als Ministerpräsident vor, den bislang zentralistisch geprägten Staat zu regionalisieren. Doch durch interne Streitigkeiten blieb die Autonomiefrage zunächst ohne Lösung und sie führten sogar zum Auseinanderfallen der Regierungspartei. Im Zuge der angesetzten Neuwahlen gelang der sozialistischen Partei ein überwältigender Sieg und dies brachte den erhofften Fortschritt in der Dezentralisierung und Regionalisierung Spaniens. So wurde für die Region Extremadura am 26. Februar 1983 der Status der Autonomie ausgerufen und hat bis heute Bestand.

 

Wirtschaft

Das Bruttoinlandsprodukt der Extremadura pro Kopf liegt bei etwa 15.000 Euro. Das sind etwa 68 Prozent des spanischen Durchschnitts. In den letzten Jahren erlebte die Extremadura ein überdurchschnittlich hohes Wachstum in den Bereichen Tourismus und den damit verbundenen Branchen. So beträgt der Anteil der Bevölkerung, die im Dienstleistungssektor tätig sind, mittlerweile mehr als 60 Prozent. 

Neben dem Dienstleistungssektor findet man in der Extremadura mehr als 8.000 Industriebetriebe, zum Großteil kleine und mittelständische Unternehmen. Die wichtigsten Industriezweige sind Energie, Landwirtschaft, Kork, Stein, Schmuck, Textilien und Maschinenbau. In der Landwirtschaft setzt man vor allem auf chemiefreien, biologisch und ökologisch sinnvollen Anbau. Der wichtigste Handelspartner der Extremadura ist das Nachbarland Portugal.

Da die nördliche Region der Extremadura reich an Wasser und fruchtbarer Erde ist, werden hier vor allem Kiwis, Feigen, Sonnenblumen, Kirschen, Paprika und Zitronen angebaut. Hier wird auch das über die Region hinaus bekannte "Pimentón de la Vera", ein sehr aromatisches Paprikapulver, hergestellt. Südlich des Tajo, in den eher trockenden Gebieten, findet man viele Kork- und Steineichen, aus denen man hauptsächlich Korken für Weinflaschen herstellt. Hier findet man auch das Cerdido Ibérico, das schwarze iberische Schwein, das den berühmten "Jamón Ibérico", einen luftgetrockneten Schinken, liefert. Außerdem wird auf den eher nährstoffarmen Böden Wein angebaut.

Im Bereich Energiegewinnung liegt die Region sehr weit vorne. So wird durch den Bau von Stauseen und Talsperren eine stabile und effiziente Nutzung der Wasserkraft zur Elektrizitätsgewinnung vorangetrieben. Außerdem wird die Nutzung von Biogasanlagen, sowie Wind- und Sonnenenergiegewinnung erforscht und weiter entwickelt. Die Extremadura produziert mittlerweile sogar mehr Energie als in der Region gebraucht wird. 

 

Gastronomie

So abwechslungsreich wie die Landschaft der Extremadura ist auch die Küche. Jede der Gegenden hat, bedingt durch den Einfluss von Ackerbau und Viehzucht, eine eigene, höchst unterschiedliche Küche. In der Regel jedoch ist die Zubereitung der Speisen recht einfach gehalten und man kann hier und dort den Einfluß klösterlicher Kochkünste erkennen. So werden bis heute noch in einigen Klöstern die Rezepte der Vergangenheit wohl verwahrt und nur selten weiter gegeben. Aber schon Kaiser Karl der Fünfte wußte die wohlschmeckende und kräftigende Kochkunst der Klosterbetreiber zu schätzen.

Wenn man als Reisender die Extremadura durchquert, fallen einem die vielen Schaf- und Ziegenherden auf. Und so wundert es einen nicht, daß sich das Fleisch dieser Nutztiere oftmals neben frischem Gemüse wie Kartoffeln, Paprika, Zwiebeln und Mais aus der Region, in schmackhaften und deftigen landestypischen Eintöpfen wieder findet. Aber auch das sogenannte schwarze iberische Schwein findet man in den Speisen wieder. So werden in einem Gericht mit dem Namen "Carillo" nur die Wangen des als teuer geltenden Schweins, zusammen mit einer dunklen Sauce und frischem Weißbrot serviert. 

Wie in ganz Spanien üblich, ißt man auch in der Extremadura gerne "Tapas", die unter anderem aus Schinken, Wurst und Käse bestehen. Auch die spanische Nationalwurst "Chorizo", die neben Schweinefleisch noch Knoblauch, Salz und Paprika enthält, kommt hier oft auf den Tisch. Eine weitere Leckerei neben den Käsesorten wie "Queso de Ibores" und "Queso de La Serena", ist die berühmte "Torta del Casar", eine Käsesorte, die ausschließlich aus der Milch der Merino und Entrefino Schafen hergestellt wird.

Nicht vergessen darf man den bekannten "Jamón de pata negra", einen köstlichen Schinken, der aus den schwarzen iberischen Schweinen hergestellt wird. Da die Schweine in den Steineichenwäldern der Extremadura gehalten werden und diese sich zum größten Teil von den dortige Eicheln ernähren, erhält der Schinken eine ganz besondere Geschmacksnote. Und nach dem Genuß eines solch feinen Schinkens trinkt man gerne noch ein Glas des "Licor de Bellota", ein Eichellikör, der einen weichen, nussigen Geschmack hat. Aber auch Weine aus den Ebenen der südlichen Extremadura finden mehr und mehr Liebhaber, was wohl auch daran liegen könnte, daß diese trotz hoher Qualität einen sehr moderaten Preis haben.

   
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