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Baskenland

 

Geographie

Die Autonome Gemeinschaft Baskenland liegt im Norden Spaniens und erstreckt sich über eine Gesamtfläche von ca 7.235 km². Wobei hier erwähnt werden muss, daß diese Region Spaniens nicht identisch ist mit dem Baskenland im kulturellen Sinne. Das Baskenland im kulturellen Sinne erstreckt sich nämlich über die Grenze der Gemeinschaft hinaus bis nach Navarra und Frankreich. Im Norden grenzt das Gebiet an das Kantabrische Meer und im Süden an die Region La Rioja. Im Westen liegt Kantabrien sowie Kastilien León und im Osten findet man Navarra.

Die Landschaft besteht zu großen Teilen aus sanften grünen Gebirgszügen, die direkt bis an die Küste reichen. Auch Wälder, Felder und Weiden, sowie vereinzelte idyllische Bauernhöfe lassen sich in dieser Region ohne weiteres finden. In diesen Gebieten befinden sich auch zahlreiche Biotope und geschützte Naturparks, die vielen Tieren ein sicheres zu Hause bieten. Teile der Autonomen Gemeinschaft Baskenland erinnern an Gebiete in der Schweiz, wie einst schon der französische Schriftsteller Théophile Gautier im 19. Jahrhundert bemerkte.

Leider wird diese Idylle in einigen Regionen durch das gut ausgebaute Verkehrsnetz, bestehend aus Landstrassen und Autobahnen, sowie größeren Industriegebieten gestört. Ein wohl erwähnenswertes Beispiel hierfür ist die Provinz Bizkaia.

 

Klima

Das Klima in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland ist wie in fast allen nördlich gelegenen Küstenregionen Nordspaniens. Milde und feuchte Winter, sowie eher kühlere Sommer sind hier vorzufinden. In den grünen Gebirgszügen allerdings herrscht typisches Gebirgsklima, dessen Vorhersage immer schwer ist, da sich das Wetter dort schnell ändern kann. In den höheren Lagen findet sich im Winter reichlich Schnee.

Die Temperaturen sind Sommer wie Winter in den nördlichen Küstenbereichen deutlich geringer als im Süden. Je weiter man nach Süden gelangt, um so mehr trifft man auf eher typisches spanisches Wetter. Es wird trockener und in vielen Gebieten auch deutlich wärmer.

 

Bevölkerung

Die Autonome Gemeinschaft Baskenland hat ca 2.185.400 (Stand: 2011) Einwohner, die sich hauptsächlich in den Küstenprovinzen angesiedelt haben. Mit einer Bevölkerungsdichte von 302 Einwohner pro km² ist das kleine Baskenland einer der Spitzenreiter. Von den über 2 Millionen Einwohnern sprechen ca 27 Prozent die baskische Sprache. Die als eigenwillig geltenden Basken gehen auch heute noch dem beliebten Ballspiel Pelota, einer Art Squash ohne Schläger, nach. Traditionell findet auch noch Baumstammwerfen und Mühlsteinstemmen statt. Auch der Rudersport hat in den Küstengebieten eine längere Tradition.

Überhaupt ist die Seefahrt bei den Basken eine Jahrhunderte alte Tradition. Bereits im 15. Jahrhundert waren baskische Walfänger auf langen Expeditionen nach Neufundland unterwegs. Die dort gefangenen Fische wurden direkt vor Ort verarbeitet. Die dafür benötigten Boote stellten die Basken aus heimischen Hölzern wie Eiche oder Kiefer selber her. Die Hölzer wurden aus den Wäldern der bergigen Küstenregion gewonnen. Noch heute sind baskische Fischer auf den Meeren dieser Welt unterwegs, um Fisch zu fangen.

 

Geschichte

Das wohl älteste gefundene menschliche Skelett stammt aus der Zeit um 7000 v. Chr. Der Ursprung der baskischen Sprache und die Herkunft des baskischen Volkes ist bis heute unklar. Auf der einen Seite sind Experten der Meinung, daß der Ursprung des baskischen Volkes wegen der sprachlichen Ähnlichkeiten im Kaukasus liegt. Andere Experten jedoch vermuten, daß die Basken die eigentliche iberische Urbevölkerung sei. Es gibt noch andere Theorien, aber keine konnte bisher wirklich bewiesen oder widerlegt werden.

Ab dem 5. Jahrhundert drängten die Westgoten, gefolgt von den Franken und Mauren, in das Baskenland vor. Anders als bei den Römern aber, wehrten sich die Basken gegen die fremdländischen Eroberer. Wenn die Basken jedoch keine Chance zu einer erfolgreichen Gegenwehr sahen, zogen sie sich meist in die Berge zurück, wo man sie in den meisten Fällen auch in Ruhe ließ.

Im 10. Jahrhundert führten die Basken einen Ältestenrat ein, der sich von da ab alle 2 Jahre zu einem Treffen unter einer alten Eiche beim heutigem Gernika zusammen fand. Gernika wurde dadurch zur "heiligen Stadt der Basken". Auch heute findet sich dort noch der Stumpf der alten Eiche.

Mit der Stärkung der Königreiche Kastilien und Navarra fiel das Baskenland unter deren Oberhoheit. Zuerst setzte sich Navarra durch, aber ab dem 12./13. Jahrhundert gewann Kastilien an Boden. Die fremden Könige waren allerdings immer darauf bedacht, den Basken Sonderrechte einzuräumen. Dazu zählten Steuererleichterungen, sowie das Recht zur eigenen Verwaltung und Sprache. Im Gegenzug versprachen die Basken den fremden König anzuerkennen, was sie auch in regelmässigen Abständen unter der alten Eiche von Gernika feierlich schworen.

Mit den Karlistenkriegen im 19. Jahrhundert wurden diese Vereinbarungen gebrochen. Da die Basken damals auf den Sieg von Don Carlos setzten, dieser aber verlor, wurden alle Sonderrechte gestrichen. Mitte des selben Jahrhunderts begann in den Provinzen Gipuzkoa und Bizkaia die Industrialisierung. Deren Schwerpunkte lagen im Schiffbau und der Metallverarbeitung.

Wärend der Zeit des ersten Weltkrieges, in dem Spanien eine neutrale Position einnahm, profitierte das Baskenland von einem großen wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser Aufschwung stärkte auch die Nationalismus Bewegung. Im Spanischen Bürgerkrieg, der von 1936 bis 1939 statt fand, schlug sich das Baskenland auf die Seite der Republikaner. 1931 wurde die 2. Spanische Republik im Baskenland ausgerufen. Im April 1937 wurde die "heilige Stadt" Gernika von den deutschen Truppen bombadiert, was bis heute nicht vergessen wird.

Wie in allen Teilen Spaniens, litt auch das Baskenland unter der Terrorherrschaft des Franco Regimes. Die baskische Sprache wurde verboten und die Bevölkerung wurde durch Gewalt und willkürliche Gerichtsurteile unterdrückt. Dies hatte auch zur Folge, daß sich die ETA (Euskadi ta Askatasuna - Baskenland und Freiheit) gründete. Mit Francos Tod, dem Ende des Gewaltregimes, zog die Demokratie im Baskenland ein. Die baskische Sprache war nicht weiter verboten und wurde nun sogar an den Schulen gelehrt. Am 22 Dezember 1979 wurde die Autonomie ausgerufen.

 

Wirtschaft

Das Baskenland gilt auch heute noch als eine der wohlhabensten Regionen Spaniens. Der Schwerpunkt der Wirtschaft liegt noch immer zum Großteil in der Metallverarbeitung, gefolgt von der Cemie und deren Raffinerien. Durch Maßnahmen der Regierung in der Industriepolitik, sowie der Förderungen von Technologie und Innovation, ist die Wettbewerbsfähigkeit heute entscheidend mitbestimmend. Auch der Fremdenverkehr und der Dienstleistungssektor befinden sich im Aufschwung.

Fischfang, Landwirtschaft und Schäferei sind allerdings auch ein Bestandteil der baskischen Wirtschaft. Wie in anderen Teilen Nordspaniens auch, versuchen hier viele kleine landwirtschaftliche Betriebe mit Ihrer Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen. In den Küstengebieten wird vor allem Obst und Gemüse angebaut. In den letzten Jahren kommen auch interessante Modekreationen aus Nordspanien. Modemacher wie Verino und Adolfo Dominguez tragen dazu bei.

 

Gastronomie

Die Basken, die allgemein als freundlich aber schweigsam bekannt sind, lieben das Feiern und Essen, wie fast alle Spanier. Die baskische Küche gilt dabei zu Recht als die beste Küche Spaniens. Die Spezialitäten kommen dabei natürlich aus dem Atlantik. In raffinierten und großzügig portionierten Gerichten finden sich allerlei Fischarten und Meeresfrüchte wieder. So sind die "Kokotxas", für die nur das feinste Fleisch aus der Kinnpartie des Seehechts verwendet wird, etwas ganz Besonderes. Aber auch Tunfisch, Sardinen und Seebrasse kommen sehr oft auf den Tisch.

Freunde süßer Leckereien kommen auf dem alljährlich stattfindenden Feria de Reposteriá, dem Fest der Süßigkeiten, das Ende März in Tolosa stattfindet, auf ihre Kosten. Auch der "Txakolí", ein spritziger Weißwein aus den Gebieten von Gipukoa und Bizkaia, sollte nicht vergessen werden. In den Sidrerías, den ortsüblichen Kneipen lässt sich auch wie in anderen Teilen Nordspaniens der köstliche Apfelwein, "Sidra" genannt, trinken.

   
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