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Balearen

 

Geographie

Die Balearen sind eine Inselgruppe, die östlich des Spanischen Festlandes im westlichen Mittelmeer liegen. Sie umfassen eine Gesamtfläche von ca 4.990 Quadratkilometer und bestehen aus ingesamt 151 Inseln, die gleichzeitig die Autonome Region Balearen bilden. 146 Inseln sind davon unbewohnt und stehen zum Großteil unter Naturschutz. Cabrera, Formentera, Ibiza, Mallorca und Menorca sind die fünf bewohnten Inseln der Autonomen Region. Die größte und gleichzeitig am dichtesten bewohnte Insel mit ca 3.604 Quadratkilometer ist Mallorca.

Die Balearen sind die abgesplitterte Fortsetzung des andalusischen Felsengebirges, das sich von Gibraltar bis hin zur Sierra Nevada zieht. Sie werden von einem etwa 1.500 Meter tiefen Meeresgraben vom spanischen Festland getrennt und liegen in einer Entfernung von 90 bis 200 Kilometer zum spanischen Festland. Die Inseln bestehen zum Großteil aus Felsen und steinigen Stränden. Dennoch bieten viele der Inseln wunderschöne Lagunen, die jeden Besucher zum Baden einladen.

 

Klima

Auf den Balearen herrscht zum Großteil typisches Mittelmeerklima. Bedingt durch die von der See her kommenden Winde sind die Sommermonate selten wirklich heiß. In den Frühlings- und Herbstmonaten regnet es allerdings mehr als in anderen Regionen Spaniens. Die Winter sind relativ mild, dafür steigt die Regenwahrscheinlichkeit deutlich an. Dies hat auf einigen Inseln zur Folge, daß die doch recht milden Wintermonate teilweise grüner sind als die restlichen Monate. Bedingt durch den reichlichen Niederschlag und die milden Temperaturen erfährt die Natur einen regelrechten Wachstumsrausch. In den letzten Jahren zeigt sich jedoch, bedingt durch den sogenannten Klimawandel, ein Trend zu weißen Wintern. Wo früher einst im Winter nur Regen fiel, fällt heute immer öfter Schnee, was sich auch in den Temperaturen wiederspiegelt. Richtig kalte Winter aber, wie zum Beispiel in Deutschland, muß man hier noch nicht erwarten.

 

Bevölkerung

Die Gesamtbevölkerung der Balearen bezieht sich auf etwa 1.100.500 (Stand: 2012)  Einwohner, die sich zum Großteil mit fast 80 Prozent auf der Insel Mallorca angesiedelt haben. Die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 220 Einwohner pro Quadratkilometer und bildet so eine der am dichtesten besiedelten Regionen Spaniens. Die Bevölkerungsdichte ist im Vergleich zum Landesdurchschnitt mehr als doppelt so hoch. Hinzu kommen die etwa 10 Millionen Touristen, die Jahr für Jahr die Inseln besuchen. Über 90 Prozent davon verbringen ihre Zeit ausschließlich auf der Insel Mallorca.

Etwa 17 Prozent der Gesamtbevölkerung besteht aus Ausländern, die in den schönen Inseln ein neues Zuhause gefunden haben. Der Anteil der dort lebenden Deutschen liegt bei etwa 16 Prozent, wovon auch hier wieder über 80 Prozent auf Mallorca leben. Die offizielle Amtssprache neben Spanisch ist Katalanisch. Darüber hinaus gibt es Dialekte, die von Insel zu Insel unterschiedlich sind. Die wohl am häufigsten vertretenen sind Ibizenisch, Meorquinisch und Mallorquinisch. Diese Dialekte werden aber oft als Balearisch zusammengefaßt.

 

Geschichte

Man geht davon aus, daß die ersten Menschen etwa 4.000 Jahre v. Chr. von der Iberischen Halbinsel oder dem heutigem Südfrankreich aus die Inseln besiedelten. Viele fanden damals wohl in den natürlichen Höhlen an den Küsten einen idealen Unterschlupf. Es gibt allerdings auch Meinungen, daß die ersten menschlichen Siedler bereits 6.500 v. Chr. die Balearen für sich entdeckten. Die ältesten Fundstücke, wie Feuersteinspitzen, Knochensplitter und menschliche Überreste, die auf eine Besiedlung durch Menschen schließen lassen, konten allerdings erst auf die Jahre 4.000 bis 2.000 v. Chr. zurückdatiert werden. Die Fundstücke fanden sich in Ablagerungen in den Höhlen von Muleta und Son Matge. Dieser Zeitraum wird auf Mallorca auch als Vorkeramische Zeit bezeichnet.

Zur Zeit der Antike nannte man die Inseln Balearides oder Gymnesiase und verstand darunter die Inseln Mallorca und Menorca. Diese wurden zuerst von den Phöniziern abhängig. Damals schon waren die Häfen und der gute Boden der Inseln bekannt. Die damaligen Einwohner machten sich einen Ruf als gute Krieger, die geschickt im Umgang mit Schleudern waren. Diese Krieger fanden sich später auch in den zahlreichen Heeren der Karthagen und Römer wieder. Zur damaligen Zeit erregten die Bewohner durch zahlreiche seeräuberische Aktionen den Zorn der Römer. Dies hatte zur Folge, daß im Jahre 123 v. Chr. der Konsul Quintus Caecilius Metellus Balearicus die Region eroberte und dort romanische Südspanier ansiedelte, welche auf der Insel Mallorca die Städte Palma und Polenta gründeten. 425 n. Chr. eroberten unter der Führung von Gunderich die Vandalen die Inseln. Nach der Vernichtung des Vandalenreiches wurden die Inseln Teil des Byzantinischen Reiches.

Ab der Mitte des 8. Jahrhunderts unterlagen die zum Großteil wieder selbständig gewordenen Inseln der Schutzherrschaft des Fränkischen Reiches. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts wurden sie dem Kalifat von Córdoba unterstellt. In den Jahren 1229 bzw. 1235 wurden die Inseln Ibiza und Mallorca unter der Führung von Jakob dem Ersten von Aragón erobert. Sein Nachfahre Alfons der Dritte eroberte Menorca. Somit gehörten die Balearen, genau wie Katalonien, zur Krone Aragon. Zeitweise bildeten sie, in Zusammenschluß mit Teilen Kataloniens, einen selbständigen Staat, das Königreich Mallorca. Mallorca wurde 1344 von Peter dem Vierten von Aragón erobert, wodurch die Inseln wieder mit den Stammländern der Dynastie vereinigt wurden.

1708 wurde Maó, die Hauptstadt der Insel Menorca, von den Briten erobert. Mit dem Frieden von Utrecht 1713, der den spanischen Erbfolgekrieg beendete, wurde Menorca dem britischem Empire zugesprochen. Im Jahre 1783, mit dem Frieden von Versailles, mußten die Briten die Insel an Spanien zurückgeben. Jedoch blieb die Insel bis 1802 unter britischer Besatzung.

Im Jahre 1833 wurde die spanische Provinz der Balearischen Inseln gegründet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeigten sich Ansätze einer regionalen Unabhängigkeitsbewegung, die sich allerdings nicht festigen konnte. 1931 wurde für die Provinz der Autonomie Status vorgeschlagen, der allerdings erst am 1. März 1983, nach dem Ende der Franco Diktatur, in Kraft trat. Noch heute gilt der 1. März als Dia de les Illes Balears und wird Jahr für Jahr gefeiert.

 

Wirtschaft

Das Pro-Kopf-Einkommen der Bewohner der Balearen ist eines der höchsten in ganz Spanien und liegt bei etwa 118 Prozent des Landesdurchschnitts. Dies liegt zum Großteil in der enormen Tourismuswirtschaft begründet. Die Arbeitslosenrate lag im Jahr 2005 bei etwa 7,3 Prozent. Der größte Anteil der Wertschöpfung liegt mit über 80 Prozent im Dienstleistungssektor, wovon allein fast 50 Prozent auf den Tourismusbereich entfallen. Über 75 Prozent der ansässigen Unternehmen und über 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind im Dienstleistungssektor tätig, dessen Schwerpunkt auch hier im Tourismus liegt. Jährlich besuchen mittlerweile über 13 Millionen Touristen die Balearen und ihre Zahl steigt weiterhin.

Von der stetig steigenden Zunahme des Tourismus und dem steigenden Bevölkerungswachstum, der durch Zuzug aus anderen Landesteilen Spaniens erfolgt, profitiert auch die Baubranche. Der Bedarf an Hotels und Wohngebäude steigt stetig an und inzwischen existieren auf den Balearen über eine halbe Million Wohneinheiten. Der Industriesektor ist überwiegend durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt, die vor allem Schuhe, Modeschmuck, Leder- und Textilwaren für den Export herstellen. Ein beachtlicher Teil der Industrieexporte fällt auch in den Bereich der Maschinen und Metallwaren. Der Anteil des Agrarsektors spielt mit etwa 1 Prozent in der Wirtschaft der Balearen eine sehr geringe Rolle.

 

Gastronomie

Die mediteran geprägte spanische Küche der Balearen ist sehr abwechslungsreich. Die verschiedenen Kulturen, die im Laufe der Zeit auf den Inseln zu Hause waren, haben auch, wie in anderen Teilen Spaniens, ihre Spuren in der Küche hinterlassen. Natürlich findet sich durch die unmittelbare Nähe zum Mittelmeer auf Speisekarten allerlei Kostbarkeiten aus dem Meer wieder. Aber auch für deftige Eintöpfe mit Fleisch oder Fisch, schmackhafte Wurstspezialitäten wie die "Sobrasada Mallorquina" oder leckere Geflügelgerichte wie "Pechuga de Pavo con Salsa de Almendras" (Truthahnbrust in Mandelsauce), finden den Weg auf den Tisch.

Erwähnenswert sind auch die Ortsüblichen Essenszeiten, die sich im Vergleich zu unseren deutschen doch sehr unterscheiden. So ißt man auf den Balearen selten vor 14 Uhr zu Mittag und auch das Abendessen wird in nur seltenen Fällen vor 21 Uhr zu sich genommen. Gerade in den Sommermonaten kommt es oft vor, daß sogar erst nach 23 Uhr zu Abend gegessen wird. Viele Bewohner der Balearen treffen sich Abends auch in den ortsüblichen Tapas Bars, um dort den Tag ausklingen zu lassen.

   
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